Eine Glastür im Schulflur, ein Schaufenster an der Straße, eine Plexiglasscheibe an der Bushaltestelle: Alle drei brauchen eine Schutzfolie, aber nicht dieselbe. Splitterschutz hält eine gebrochene Scheibe zusammen. Eine Antigraffiti- und Antikratzfolie schützt dagegen die Oberfläche und wird im Schadensfall ausgetauscht. Auf Kunststoff wiederum gehört eine eigene Folie. Seit 19 Jahren beraten wir Schulen, Kitas, Ladenbetreiber und Privatkunden genau bei dieser Auswahl, und fast immer steht am Anfang dieselbe Frage: Wovor soll die Folie eigentlich schützen?
Dieser Ratgeber ordnet die Schutzfolien deshalb nicht nach Produktnamen, sondern nach dem Risiko an Ihrer Scheibe. Am Ende wissen Sie, welche Folie Sie brauchen, auf welche Seite sie gehört und wann zwei Folien besser sind als eine.

Drei Risiken, drei Folienfamilien
Schutzfolien lassen sich nach ihrer Aufgabe gruppieren:
- Splitterschutzfolien halten die Bruchstücke zusammen, wenn eine Scheibe bricht. Sie schützen Menschen, nicht die Glasoberfläche.
- Antigraffiti- und Antikratzfolien liegen als Opferschicht auf dem Glas. Kratzer, Lack und Permanentmarker treffen die Folie, nicht die Scheibe.
- Folien für Kunststoffe sind für Polycarbonat und Acrylglas gemacht. Glasfolien gehören dort nicht hin.
Die Reihenfolge der Fragen ist deshalb immer dieselbe: Erst klären, was passieren kann – Bruch, Kratzer oder Schmiererei. Dann prüfen, ob die Fläche aus Glas oder Kunststoff besteht. Und zuletzt, auf welcher Seite der Scheibe die Gefahr liegt, innen oder außen.
Splitterschutz: wenn die Scheibe bricht
Bricht eine normale Scheibe, fallen scharfkantige Stücke heraus. Eine Splitterschutzfolie hält die Bruchstücke auf der Seite zusammen, auf der sie klebt. Bei Fenstern ist das meist die Raumseite. Glastüren und Glaswände in Fluren sind dagegen von beiden Seiten zugänglich – dort gehört die Folie auf beide Seiten, sonst ist nur eine geschützt. Gefragt ist Splitterschutz überall dort, wo Menschen nah am Glas sind: Glastüren und Seitenteile in Fluren, bodentiefe Fenster in Kitas, Trennwände in Büros, Fenster in Kinderzimmern.
Unsere klaren Splitterschutzfolien gibt es in mehreren Stärken. Laut Produktangabe erfüllen alle die Anforderungen nach DIN 52337 und EN 12600, also der Prüfung, bei der ein Pendel gegen die Scheibe schlägt:
- Klar 4 mil: Splitterschutzfolien Klar 4 mil (rund 0,1 mm) – als Innenfolie und als Außenfolie erhältlich, lässt innen 90 % des Lichts durch.
- Klar 7 mil SR: Splitterschutzfolien Klar 7 mil SR (0,175 mm; SR = Folie für die Innenmontage) – nur für innen, lässt ebenfalls 90 % des Lichts durch.
- Klar 8 mil SR: Splitterschutzfolien & Sicherheitsfolien Klar 8 mil SR (0,2 mm) – zweilagiges Laminat für innen, das zugleich als Antikratz- und Antigraffitifolie eingesetzt werden kann. Dazu gleich mehr.
Wichtig ist die Abgrenzung zum Einbruchschutz. Eine Splitterschutzfolie macht eine Scheibe nicht einbruchhemmend. Das Durchschlagen der Scheibe erschwert eine Einbruchschutzfolie, gegen das Aufhebeln ein stabiler Beschlag – sinnvoll ist beides zusammen. Welche Seite und welche Stärke an einer Glastür sinnvoll sind, steht ausführlich in unserem Beitrag Splitterschutzfolie an Glastüren.
Mit Sonnenschutz kombiniert: Silber 80 SR
Ist ein Raum zusätzlich zu hell oder zu heiß, kommt die Splitterschutzfolie Silber 80 SR innen dunkel 4 mil infrage. Laut technischen Daten wirft sie 60 % zurück und reduziert die Sonnenstrahlung am Glas um 86 %; laut Produkteigenschaft lässt sie noch 40 % des Lichts durch. Der Raum wird also spürbar dunkler. Eine Prüfung nach DIN 52337 oder EN 12600 nennt dieser Artikel nicht.
Aus unserer Beratung: Als stark reflektierende Innenfolie gehört sie nur auf Einfachglas, Einscheibensicherheitsglas (ESG) und älteres Doppelglas vor 1995. Auf modernem Isolierglas würde sich die Wärme zwischen den Scheiben stauen. Dort bleibt die klare Splitterschutzfolie innen die richtige Wahl, und für den Hitzeschutz sind Sonnenschutzfolien in der Außenausführung zuständig.

Kratzer und Graffiti: die Opferschicht
Wo Glas zerkratzt oder besprüht wird, hilft Splitterschutz wenig – das Problem ist die Oberfläche, und dafür gibt es Antigraffiti- und Antikratzfolien. Typische Orte sind Schaufenster, Ladeneingänge, Aufzugsverglasungen, Vitrinen und Glasflächen in Wartebereichen. Ein Kratzer in der Folie ist ärgerlich, ein Kratzer im Glas selbst meist deutlich teurer.
Eine solche Folie fängt genau das ab. Ist sie beschmiert oder zerkratzt, wird sie abgezogen und ersetzt, das Glas darunter ist geschützt. Dank Spezialkleber lassen sich unsere Antigraffitifolien rückstandslos wieder ablösen. Zwei Stärken stehen für Glas zur Wahl:
- Antigraffitifolien und Antikratzfolien Klar transparent 4 mil – zweilagig, lässt 89 % des Lichts durch, innen und außen.
- Antikratzfolien und Antigraffitifolien Klar transparent 6 mil – dreilagig und damit robuster, lässt 90 % des Lichts durch, innen und außen.
Beide sind für Einfach- und Isolierverglasung freigegeben, jeweils klar oder getönt. Außen ist die Folie Wind, Wetter und Reinigung ausgesetzt. Die Garantie fällt dort deshalb deutlich kürzer aus als innen; verbindlich steht sie beim Artikel. Für eine Opferschicht ist das kein Widerspruch: Sie soll getauscht werden, wenn sie ihren Zweck erfüllt hat. Mehr zu Kratzschutz an Türen lesen Sie in unserem Beitrag Anti-Kratz-Schutzfolie für Glastüren.
Die Polizeiliche Kriminalprävention rät gegen Graffiti unter anderem zu Licht mit Bewegungsmelder und verweist für den Schutz vor Farbschmierereien auf Fachfirmen. Eine Folie schützt die Glasfläche, ersetzt solche Maßnahmen aber nicht.
Beides auf einer Scheibe: was geht
Oft droht beides: Kinder im Flur und Kratzer an derselben Glastür, oder Graffiti außen und Splitter innen am Schaufenster. Dafür gibt es zwei Wege.
Alles im Innenbereich: Liegen Bruchgefahr und Kratzer im Gebäudeinneren, etwa an Fenstern im Treppenhaus oder an einer Flurtür (dort auf beiden Seiten), deckt die Splitterschutzfolie Klar 8 mil SR beides ab. Laut Produktangabe ist sie nach DIN 52337 und EN 12600 geprüft und durch ihr Laminat zugleich als Antikratz- und Antigraffitifolie einsetzbar. Allerdings ist sie eine reine Innenfolie.
Innen und außen getrennt: Wird von der Straße aus gesprüht oder gekratzt, gehört die Antigraffitifolie auf die Außenseite und die Splitterschutzfolie auf die Innenseite. So übernimmt jede Folie die Aufgabe, für die sie gebaut ist, und die Außenfolie lässt sich tauschen, ohne den Splitterschutz anzufassen.
Plexiglas und Polycarbonat brauchen eigene Folie
Haltestellen, Überdachungen und Sporthallen sind oft nicht aus Glas, sondern aus Polycarbonat oder Acrylglas. Kunststoff verkratzt deutlich schneller als Glas. Glasfolien sind für Kunststoff nicht freigegeben. Hier gehört deshalb die Antigraffitifolie und Antikratzfolie transparent für Kunststoffe hin: zweilagig, lässt 88 % des Lichts durch, 100 % UV-Schutz, innen und außen montierbar. Weitere Folien für solche Flächen finden Sie unter Folien für Kunststoffe.
Schutzfolien für Glas und Kunststoff im Vergleich
Alle genannten Folien stehen hier sortiert nach Lichtdurchlass von hell nach dunkel. Die Lichtwerte stammen aus den technischen Daten der Artikel; bei der Silber 80 SR steht dort kein gemessener Lichtdurchlass, deshalb ist hier die Produkteigenschaft angegeben.
| Folie | schützt vor | Montageseite | Licht | passt für |
|---|---|---|---|---|
| Antigraffiti Klar 6 mil | Kratzer, Graffiti | innen, außen | 90 % | stark beanspruchte Eingänge, Aufzüge |
| Splitterschutz Klar 7 mil SR | Splitter | innen (Glastüren: beide Seiten) | 90 % | Schulen, Kitas, Glastüren |
| Splitterschutz Klar 8 mil SR | Splitter, Kratzer, Graffiti | innen | 90 % | Innentüren, Treppenhäuser, Flure |
| Splitterschutz Klar 4 mil | Splitter | innen oder außen (je Ausführung) | 90 % innen, 85 % außen | Wohnräume, Kinderzimmer |
| Antigraffiti Klar 4 mil | Kratzer, Graffiti | innen, außen | 89 % | Schaufenster, Vitrinen |
| Antigraffiti für Kunststoffe | Kratzer, Graffiti | innen, außen | 88 % | Polycarbonat, Acrylglas |
| Splitterschutz Silber 80 SR | Splitter, Sonne, Blendung | innen | 40 % | Einfachglas mit starkem Sonneneinfall |
Zuschnitt, Abrechnung und Montage
Die Folien gibt es als Meterware, abgerechnet auf volle Meter, oder im Konfigurator als Zuschnitt nach Maß bis 150 cm Breite und 300 cm Höhe. Für den Zuschnitt geben Sie das lichte Glasmaß abzüglich 4 mm in Höhe und Breite an. Bei Meterware schneiden Sie selbst an der Scheibe nach und lassen 1 bis 1,5 mm Abstand zum Rahmen, sonst lösen sich die Ränder später leichter. Die Folienbreite steht beim Artikel, bei den meisten dieser Folien sind es 152 cm; breitere Scheiben werden mit mehreren Bahnen Stoß an Stoß beklebt. Jeder Lieferung liegt eine Montageanleitung bei; die Schritte für Splitterschutz zeigt auch unsere Seite Splitterschutzfolie richtig montieren. Bei außen verklebten Folien empfehlen wir, die Ränder mit transparentem Silikon zu versiegeln.
Wie eine Folie auf Ihrer Scheibe wirkt, zeigt ein Muster am schnellsten. Kostenlose Folienmuster können Sie im Shop bestellen und direkt am Glas anhalten.
Häufige Fragen zu Schutzfolien auf Glas
Ist eine Splitterschutzfolie auch ein Einbruchschutz?
Nein. Eine Splitterschutzfolie hält Bruchstücke zusammen und senkt so die Verletzungsgefahr. Einbruchhemmend wird eine Scheibe dadurch nicht. Dafür sind eigene Einbruchschutzfolien gedacht, die zusammen mit einem stabilen Beschlag wirken.
Splitterschutz innen und Antigraffitifolie außen – geht das?
Ja, das ist die übliche Aufteilung, wenn außen gesprüht oder gekratzt wird und innen Splitter drohen. Die klaren Splitterschutz- und Antigraffitifolien sind für Einfach- und Isolierverglasung freigegeben. Bei Sonderglas wie Verbund- oder Wärmeschutzglas klären Sie die Kombination vorher mit uns.
Was passiert, wenn die Antigraffitifolie beschmiert ist?
Die Folie wird abgezogen und durch eine neue ersetzt. Dank Spezialkleber lässt sie sich rückstandslos ablösen, und das Glas darunter ist geschützt. Genau dafür ist sie als Opferschicht gedacht.
Wie lange hält eine Antigraffitifolie außen?
Bei den klaren Antigraffitifolien für Glas gelten innen 10 Jahre Garantie, außen 2 Jahre. Für die Folie für Kunststoffe sind es außen 4 Jahre auf senkrechten und 3 Jahre auf geneigten Flächen. Wie lange sie tatsächlich hält, hängt von Lage, Witterung und Reinigung ab. Verbindlich steht die Garantie beim jeweiligen Artikel.
Welche Schutzfolie gehört auf Plexiglas oder Polycarbonat?
Auf Kunststoff gehört die Antigraffiti- und Antikratzfolie für Kunststoffe, nicht eine Glasfolie. Sie ist für Polycarbonat und Acrylglas ausgelegt und innen wie außen montierbar.
Wird es mit einer Schutzfolie dunkler im Raum?
Bei den klaren Folien kaum: Sie lassen laut technischen Daten 85 bis 90 % des sichtbaren Lichts durch. Deutlich dunkler wird es nur mit der Splitterschutzfolie Silber 80 SR, die zugleich als Sonnenschutz wirkt und laut Produkteigenschaft 40 % Licht durchlässt.
Interview: Schutzfolie nach Risiko auswählen
Womit beginnt bei Ihnen die Beratung zu Schutzfolien?
Mit dem Ort, nicht mit dem Produkt. Wir fragen, wer an der Scheibe vorbeigeht, wo sie sitzt und was dort schon passiert ist. Eine Glastür im Kita-Flur hat ein anderes Risiko als ein Schaufenster an der Hauptstraße. Daraus ergibt sich fast von selbst, ob Splitterschutz, Oberflächenschutz oder beides gebraucht wird.
Woran scheitern Schutzfolien in der Praxis am häufigsten?
An der falschen Seite. Eine Antigraffitifolie innen nützt nichts, wenn die Sprayer draußen stehen. Umgekehrt gehört die Splitterschutzfolie auf die Seite, auf der Menschen am Glas sind – bei Türen und Glaswänden im Flur also auf beide. Der zweite Klassiker ist Kunststoff: Wer eine Glasfolie auf Polycarbonat klebt, riskiert, dass sie nicht richtig hält. Dafür gibt es die Antigraffitifolie für Kunststoffe.
Lohnt sich Antigraffitifolie bei zwei Jahren Garantie außen?
Für die meisten Betreiber ja. Die Folie ist als Verschleißteil gedacht. Kostet ein zerkratztes Schaufenster einen Scheibentausch, ist der Wechsel einer Folie die deutlich kleinere Rechnung. Wir empfehlen trotzdem, vorher zu prüfen, wie oft es an der Stelle tatsächlich Schäden gibt.
Trauen Sie Privatkunden die Montage zu?
Bei kleineren Scheiben und geraden Glasfeldern in aller Regel ja, wenn die Anleitung ernst genommen wird. Saubere Vorbereitung und Geduld sind wichtiger als Kraft. Bei großen Glasfronten oder vielen Feldern übernimmt das auf Anfrage unser Montageservice.
Warum lohnt sich vor großen Projekten erst ein Muster?
Weil man am eigenen Glas sofort sieht, wie klar die Folie wirkt und wie sie sich anfühlt. Gerade bei der dunklen Silber 80 SR überrascht viele, wie stark sie abdunkelt. Ein Muster kostet nichts und erspart die falsche Bestellung.
Welche Kategorie passt, entscheidet das Risiko an Ihrer Scheibe:
Interview-Fazit: erst das Risiko, dann die Folie
Splitterschutz schützt Menschen, Antigraffitifolie schützt die Oberfläche, und Kunststoff braucht seine eigene Folie. Wer zuerst klärt, was an der Scheibe passieren kann und auf welcher Seite, findet die passende Schutzfolie meist ohne Umweg.
Quellen – Splitterschutz und Graffitischutz an Glas
Die folgenden beiden Quellen belegen die Aussagen zur Prüfnorm für Splitterschutz und zur Empfehlung der Polizei bei Graffiti. Alle Produktangaben stammen aus den technischen Daten der jeweiligen Artikel im Shop.
1. DIN EN 12600 – Pendelschlagversuch an Flachglas
Status: DIN Media, Normenausgabe 2003-04
Publikation: DIN EN 12600:2003-04 Glas im Bauwesen – Pendelschlagversuch – Verfahren für die Stoßprüfung und Klassifizierung von Flachglas
Belegte Aussagen:
- Ersatzvermerk der Normseite: „Dieses Dokument ersetzt DIN 52337:1985-09″ – DIN EN 12600 ist also die Nachfolgenorm der in den Produktangaben ebenfalls genannten DIN 52337; der Stoßkörper wurde geändert, zusätzliche Fallhöhen kamen hinzu.
2. Polizeiliche Kriminalprävention – Illegale Graffiti
Status: Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes, Informationsseite für Geschädigte
Publikation: Illegale Graffiti – Informationen für Geschädigte
Belegte Aussage: „Maler-, Fassaden-, Gebäudereinigungs- und andere Fachfirmen bieten verschiedene Verfahren zum Schutz vor bzw. für die Beseitigung von Farbschmierereien an.“