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Lassen sich feine Kratzer aus einer Fensterscheibe herauspolieren?

Ein Sandkorn im Lappen genügt, und die Scheibe hat einen Kratzer. Die erste Frage lautet dann fast immer: Lassen sich feine Kratzer aus einer Fensterscheibe herauspolieren, oder muss das Glas raus? Ehrlich vorweg – Herauspolieren im Sinne von „spurlos verschwunden“ funktioniert bei Fensterglas praktisch nie. Was aber sehr wohl geht, ist zweierlei – einschätzen, wie schlimm der Kratzer wirklich ist, und verhindern, dass weitere dazukommen. Genau darum geht es in diesem Beitrag.

Fensterscheibe mit feinen Haarkratzern im flachen Morgenlicht, dahinter ein Garten mit Baum

Erst einschätzen: Wie tief sitzt der Kratzer?

Bevor Sie irgendetwas an der Scheibe machen, lohnt sich eine Minute Diagnose. Die Glasbranche unterscheidet mechanische Beschädigungen der Glasoberfläche nach ihrer Intensität, und diese Einteilung hilft auch am Wohnzimmerfenster weiter. BauNetz Wissen nennt drei Stufen: „Engelshaar“ für extrem feine Oberflächenkratzer, die mit bloßem Auge kaum zu sehen sind, „Haarkratzer“ für feine Spuren, die bei genauer Betrachtung sichtbar, aber nicht fühlbar sind, und schwache bis starke Kratzer für sichtbare und spürbare Spuren.

Daraus folgt die einfachste Prüfung, die Sie zu Hause machen können – die Fingernagelprobe:

  • Scheibe zuerst gründlich reinigen, sonst prüfen Sie Schmutz statt Glas.
  • Bei Tageslicht und aus mehreren Winkeln schauen; im flachen Streiflicht wird jeder Kratzer am deutlichsten.
  • Mit dem Fingernagel vorsichtig quer über die Stelle fahren.
  • Bleibt der Nagel hängen, ist es ein spürbarer Kratzer. Gleitet er darüber hinweg, liegt ein Haarkratzer oder Engelshaar vor.

Der Unterschied ist keine Haarspalterei, sondern entscheidet über alles Weitere. Nur bei den nicht fühlbaren Stufen ist überhaupt eine optische Verbesserung denkbar. Und noch ein Punkt aus derselben Quelle gehört dazu: Kratzer schwächen normales Fensterglas – das sogenannte Floatglas – stärker als vorgespanntes Sicherheitsglas, das im Werk gehärtet wurde. Eine zerkratzte Scheibe ist also nicht nur ein Schönheitsproblem.

Warum Polieren bei Fensterglas selten trägt

Politur arbeitet abrasiv: Sie trägt Material ab, bis der Kratzergrund die Höhe der Umgebung erreicht hat. Bei Glas heißt das, dass an dieser Stelle eine flache Mulde entsteht. Und genau die sieht man – das Bild dahinter verzieht sich wie hinter einer schwachen Linse, und im flachen Licht bleibt eine matte Stelle. Der Kratzer ist dann weg, die Scheibe wirkt trotzdem unruhig.

Damit Sie die gängigen Hausmittel einordnen können, hier eine nüchterne Bewertung aus der Praxis:

  • Zahnpasta: Die Schleifkörper sind für Zahnschmelz gedacht, nicht für Glas. Ergebnis ist meist eine leicht stumpfe Stelle mit neuen Mikrokratzern.
  • Schlämmkreide und Polierpasten: Können bei Engelshaar helfen, verlangen aber gleichmäßigen Druck und Erfahrung. Für Laien schwer zu kontrollieren.
  • Scharfe Reiniger: Entfernen Beläge, aber keine Kratzer. Säuren, alkalische Laugen und fluoridhaltige Mittel sind an Glas ohnehin tabu und können Dichtungen und Beschichtungen angreifen.

Bei Isolier-, Sicherheits- oder beschichtetem Glas kommt ein weiteres Argument dazu. Beschichtungen liegen als hauchdünne Schicht auf der Oberfläche; wer dort schleift, entfernt die Funktion mit. Das Merkblatt „Reinigung von Glas“ des Bundesverbands Flachglas hält für selbstreinigende Schichten ausdrücklich fest, dass mechanische Beschädigungen dort „nicht nur eine visuell erkennbare Schädigung des Glases“ sind, sondern „auch zu einem Funktionsverlust an der geschädigten Stelle führen“ können.

Meine Empfehlung nach 19 Jahren mit Glasflächen: Einen Polierversuch können Sie wagen, wenn der Kratzer nicht fühlbar ist und die Scheibe optisch keine große Rolle spielt – ein Kellerfenster, eine Nebentür. Bei allem, wo Sie täglich hindurchschauen, führt der Weg über Hausmittel selten zu einem Ergebnis, mit dem Sie dauerhaft zufrieden sind. Tiefere Riefen gehören in die Hand eines Glasbetriebs, der maschinell schleift und poliert – oder die Scheibe wird getauscht.

Wo die Kratzer eigentlich herkommen

Die meisten Kratzer entstehen nicht durch Vandalismus, sondern beim Putzen. Das genannte BF-Merkblatt wird an dieser Stelle sehr deutlich: „Der Einsatz von spitzen, scharfen metallischen Gegenständen, z. B. Klingen oder Messern, kann Oberflächenschäden (Kratzer) verursachen.“ Und weiter: „Das so genannte ‚Abklingen‘ mit dem Glashobel zur Reinigung ganzer Glasflächen ist nicht zulässig.“

Ebenso wichtig ist die Menge Wasser. Wörtlich heißt es dort: „Bei der Reinigung von Glas ist immer mit viel sauberem Wasser zu arbeiten, um einen Scheuereffekt durch Schmutzpartikel zu vermeiden.“ Genau dieser Scheuereffekt – Sandkorn zwischen Tuch und Glas – erzeugt die feinen Kratzmuster, die man später im Gegenlicht sieht.

Tipp: Weiche, saubere Schwämme, Leder, Lappen oder Gummiabstreifer nennt das Merkblatt als geeignete Werkzeuge – und sie müssen selbst sauber sein. Ein Tuch, das einmal auf dem Boden lag, bringt den Sand mit ans Fenster.
Klare, unbeschädigte Schaufensterscheibe eines Einrichtungsladens mit Vasen auf einem Holzpodest

Klares Glas erhalten, statt Scheiben zu tauschen

Weil sich ein vorhandener Kratzer kaum sinnvoll zurückholen lässt, verschiebt sich die eigentliche Frage: Nicht „Wie bekomme ich ihn weg?“, sondern „Wie verhindere ich den nächsten?“. Bei einem Schaufenster, einer Glastür im Schulflur oder der Terrassentür im Familienhaushalt ist das keine theoretische Überlegung – dort kommt jeden Tag etwas ans Glas.

An dieser Stelle arbeiten wir bei Folienmarkt.de seit Jahren mit Antikratz- und Anti-Graffiti-Folien. Der Gedanke dahinter ist einfach: eine klare Schicht, die vor dem Glas liegt und die Schäden aufnimmt, die sonst das Glas bekommen hätte.

Die Folie als Opferschicht: so funktioniert sie

Eine Antikratzfolie legt sich glasklar über die Scheibe und bildet die neue Nutzoberfläche. Kratzer, Graffiti und Alltagsspuren treffen zuerst die Folie. Ist sie irgendwann sichtbar mitgenommen, wird sie abgezogen und ersetzt; das Glas darunter ist unversehrt geblieben.

Wirtschaftlich rechnet sich das dort, wo ein Glastausch teuer wird. Beim Scheibenwechsel kommen zum Glaspreis Montage, Entsorgung, gegebenenfalls Hubsteiger oder Gerüst und die Ausfallzeit dazu. Eine Folie zu erneuern ist der deutlich kleinere Eingriff.

Zwei Dinge gehören zur Ehrlichkeit dazu. Erstens: Bereits vorhandene Kratzer bleiben unter der Folie sichtbar – sie kaschiert nichts, sie schützt nur ab jetzt. Zweitens: Abziehen lässt sich die Folie; Klebereste sind je nach Produkt, Alter und Untergrund möglich und werden dann mit Glasreiniger und geeignetem Werkzeug entfernt, bei Ganzglas- und Sicherheitsglaselementen nur nach Herstellerhinweis.

Antikratzfolien im Vergleich

Für die drei häufigsten Fälle – stark beanspruchtes Glas, normales Glas und Kunststoffverglasung – setzen wir diese Folien ein. Sortiert von der hellsten zur dunkelsten; die Lichtdurchlässigkeit liegt bei allen dreien zwischen 88 und 90 % – ein Unterschied von zwei Prozentpunkten.

Antikratz- und Anti-Graffiti-Folien im Vergleich
Folie Aufbau und Lichtdurchlässigkeit Grenzen Empfohlen für
Antikratzfolien und Antigraffitifolien Klar transparent 6 mil 3-lagig, 6 mil (ca. 0,15 mm); 90 % Lichtdurchlässigkeit; 99 % UV-Schutz; innen und außen Höherer Preis pro Meter; 3-lagig aufgebaut und dadurch dicker als die 4 mil Schulen, Kitas, Krankenhäuser, Behörden, Schaufenster – überall dort, wo täglich etwas ans Glas kommt
Antigraffitifolien und Antikratzfolien Klar transparent 4 mil 2-lagig, 4 mil (ca. 0,1 mm); 89 % Lichtdurchlässigkeit; 99 % UV-Schutz; innen und außen 2-lagig und mit 4 mil dünner aufgebaut als die 6 mil Wohnhäuser, Ladenlokale, Innenverglasungen, Glastüren im normalen Alltagsbetrieb
Antigraffitifolien und Antikratzfolien transparent für Kunststoffe 4 mil (ca. 0,1 mm), 2-lagig; 88 % Lichtdurchlässigkeit; 100 % UV-Schutz; innen und außen Für reine Glasflächen sind die beiden Glasfolien die bessere Wahl Polycarbonat und Acrylglas: Vordächer, Trennwände, Maschinenverkleidungen, Spielhäuser

Zuschnitt, Abrechnung und Verglasung

Alle drei Folien gibt es als Meterware, als mm-genauen Zuschnitt und als ganze Rolle. Meterware wird auf volle Laufmeter abgerechnet. Beim Zuschnitt geht es rechteckig zu – Dreiecke, Rundungen oder Trapeze gibt es nicht –, möglich sind 10 bis 150 cm Breite und 20 bis 300 cm Höhe. Für die Vollfläche geben Sie das lichte Glasmaß abzüglich 4 mm in Höhe und Breite an, damit die Folie in die Dichtung passt.

Zur Verglasung nennt der Shop für beide Glasfolien Einfach- und Isolierverglasung, klar oder getönt. Bei Einscheiben-Sicherheitsglas und Ganzglaselementen prüfen Sie die Freigabe bitte produktbezogen – dort gelten Besonderheiten, die sich nicht pauschal beantworten lassen. Die Garantie liegt bei allen drei Folien innen bei bis zu 10 Jahren, außen je nach Folie und Neigung der Fläche deutlich darunter – verbindlich beim Artikel.

Welche Folie an Ihrer Scheibe wirklich unsichtbar bleibt, sehen Sie am schnellsten am Objekt selbst: Halten Sie die kostenlosen Folienmuster einfach ans Glas.

Heller Flur einer Schule mit raumhohen Innenverglasungen und Glastüren aus klarem Glas

Wo sich der Schutz besonders lohnt

Die Anforderungen unterscheiden sich je nach Gebäude, das Grundproblem ist überall dasselbe: Glas soll klar bleiben, und der Aufwand soll kalkulierbar sein.

  • Privathaushalte: Terrassentüren, Haustüren mit Glaseinsatz, Kinderzimmerfenster, Wintergärten.
  • Ladenlokale: Schaufenster, Eingangstüren, Glasvitrinen im Verkaufsraum.
  • Schulen und Kitas: Flure, Treppenhäuser, Glastüren – und Kunststoffscheiben, die besonders schnell zeichnen.
  • Verwaltungen und Kliniken: Wartebereiche, Foyers, Aufzugverglasungen, Innenfenster.

Ein Hinweis für große Flächen: Alle drei Folien kommen von einer 152 cm breiten Rolle. Schaufensterscheiben, die breiter sind, brauchen deshalb einen Stoß. Das lässt sich planen – aber es sollte vor der Bestellung geklärt sein und nicht erst auf der Leiter auffallen.

Montage: worauf es ankommt

Wer sauber arbeiten kann, schafft die Montage selbst. Jeder Lieferung liegt eine ausführliche Anleitung bei, dazu gibt es Videoanleitungen. Wie lange es dauert, hängt von Größe, Anzahl und Zugänglichkeit der Glasfelder ab.

  • Glas gründlich reinigen, Staub, Fett und Silikonreste entfernen – jedes Korn zeichnet sich später unter der Folie ab.
  • Sauberes Werkzeug bereitlegen: Rakel, Sprühflasche mit Montagekonzentrat-Wasser-Gemisch, fusselfreies Mikrofasertuch und ein Folienmesser, das nur die Folie berührt und nie über die Scheibe geführt wird.
  • Feucht montieren: Untergrund und freigelegte Klebeseite einsprühen, die Folie auf der nassen Fläche positionieren und mit dem Rakel von der Mitte zu den Außenkanten ausstreichen.
  • Am Rand 1 bis 1,5 mm Abstand zum Rahmen lassen. Direkt an der Kante geschnitten, lösen sich die Ränder später als Erstes.
  • Auf Polycarbonat und Acrylglas gelten Sonderregeln: keine Lösungsmittel, keine scharfen Reiniger und keine Klinge an die Fläche – der Kunststoff nimmt jeden Kratzer bleibend an.

Das folgende Montagevideo zeigt diesen Ablauf an einer Fensterfolie. Die Antikratzfolien werden ebenso feucht montiert. Maßgeblich bleibt aber immer die Anleitung, die der Lieferung beiliegt.

Häufige Fragen zu Kratzern im Fensterglas

Kann man feine Kratzer aus einer Fensterscheibe herauspolieren?

Dauerhaft und ohne Nebenwirkungen in aller Regel nicht. Polieren trägt Glas ab und hinterlässt an dieser Stelle eine flache Mulde, die als Verzeichnung oder matte Zone sichtbar bleibt. Sinnvoll ist ein Versuch nur bei nicht fühlbaren Haarkratzern an Scheiben ohne optischen Anspruch. Alles Spürbare gehört zum Glasbetrieb oder wird durch Schutz vor weiteren Schäden ersetzt.

Hilft Zahnpasta gegen Kratzer im Glas?

Nein. Die Schleifkörper in Zahnpasta sind auf Zahnschmelz abgestimmt und für Glas zu grob. Meistens entsteht eine leicht stumpfe Stelle mit neuen Mikrokratzern, während der ursprüngliche Kratzer weiterhin zu sehen ist. Wer die Scheibe erhalten will, setzt besser auf eine klare Schutzfolie aus den Anti-Graffiti- und Antikratz-Folien, damit keine weiteren Spuren dazukommen.

Woran erkenne ich, ob ein Kratzer zu tief zum Polieren ist?

Entscheidend ist, ob Sie ihn spüren. Der Fingernagel bleibt an einem tiefen Kratzer hängen, und dann ist jeder Selbstversuch aussichtslos. Gleitet er an der gereinigten Scheibe glatt darüber hinweg, liegt ein Haarkratzer oder Engelshaar vor – die einzige Stufe, bei der eine optische Verbesserung überhaupt denkbar ist.

Verdeckt eine Antikratzfolie vorhandene Kratzer?

Nein, vorhandene Kratzer bleiben unter der klaren Folie sichtbar. Die Folie ist eine Opferschicht für die Zukunft: Sie nimmt neue Kratzer und Graffiti auf und wird bei Bedarf getauscht, während das Glas darunter unversehrt bleibt.

Passt eine Antikratzfolie auch auf Acrylglas und Polycarbonat?

Dafür gibt es eigene Ausführungen. Die Glasfolien gehören nicht auf Kunststoffscheiben; für Polycarbonat und Acrylglas ist die transparente Antigraffiti- und Antikratzfolie für Kunststoffe vorgesehen, die auf diesen Untergrund abgestimmt ist. Weitere Ausführungen für Acrylglas und Polycarbonat stehen in der Kategorie Folien für Kunststoffe.

Wie lange hält der Schutz?

Innen erreichen gute Folien viele Jahre, draußen deutlich weniger – UV-Strahlung, Reinigung und mechanische Beanspruchung entscheiden darüber. Die verbindliche Garantiezeit steht beim jeweiligen Artikel im Shop, gestaffelt nach Montageseite und Neigung der Fläche.

Fazit: Kratzer verhindern schlägt Kratzer entfernen

Feine Kratzer lassen sich aus einer Fensterscheibe nicht zuverlässig herauspolieren. Was Sie erreichen können, ist eine ehrliche Einschätzung – fühlbar oder nicht – und danach eine Entscheidung: leben lassen, vom Glasbetrieb bearbeiten lassen oder die Scheibe tauschen.

Steuern lässt sich dagegen die Zukunft der Scheibe. Richtig reinigen mit viel Wasser und weichem Werkzeug verhindert einen großen Teil der Schäden; eine klare Antikratzfolie fängt den Rest ab und lässt sich erneuern, wenn das Glas es nicht mehr müsste.

Welche Kategorie die richtige ist, entscheidet der Untergrund. Die drei verglichenen Folien liegen zusammen in der Antikratz-Kategorie – dort finden Sie auch die Ausführung für Kunststoff. Wer ausschließlich Acrylglas oder Polycarbonat schützen will, findet in der Kunststoff-Kategorie weitere passende Folien:

Interview: Was hilft wirklich gegen Kratzer im Fensterglas?

Kratzer einfach wegpolieren – wie oft hören Sie diesen Wunsch?

Ständig, und ich verstehe die Hoffnung gut. Nur ist Glas ein sprödes Material ohne Selbstheilung: Was einmal abgetragen ist, kommt nicht zurück. Jede Politur nimmt weiteres Material weg, bis die Umgebung auf der Höhe des Kratzergrunds ist. Übrig bleibt eine Mulde, und die sieht man im Streiflicht oft deutlicher als den Kratzer vorher.

Achtung: Bei selbstreinigenden Schichten kostet Schleifen laut BF-Merkblatt nicht nur Optik, sondern an dieser Stelle auch die Funktion. Manche Sonnenschutzgläser tragen ihre Schicht ebenfalls außen; Wärmedämmschichten zeigen dagegen meist in den Scheibenzwischenraum. Welche Schicht wo sitzt, weiß nur der Glasbetrieb.

Und die Hausmittel, von denen im Netz alle schwärmen?

Schlämmkreide funktioniert im Labor, mit gleichmäßigem Druck und viel Geduld. Am eigenen Wohnzimmerfenster, freihändig, ohne Übung, wird daraus fast immer eine stumpfe Stelle. Zahnpasta ist noch eine Stufe gröber. Wer es trotzdem probieren will, sollte an einer Scheibe anfangen, die er notfalls abschreiben kann.

Ab welchem Punkt raten Sie grundsätzlich ab?

Sobald man den Kratzer mit dem Fingernagel spürt. Dann müsste so viel Material weg, dass die Scheibe optisch verzieht. Bei Sicherheits- oder Isolierglas kommt hinzu, dass man die Schädigung nicht sicher einschätzen kann. In dem Fall gehört die Scheibe zum Glasbetrieb oder wird ersetzt – und danach geschützt.

Tipp: Fotografieren Sie den Schaden, bevor Sie etwas unternehmen. Für Gewährleistung und Versicherung ist der Zustand vor dem eigenen Reparaturversuch die wichtigere Aufnahme.

Was leistet eine Antikratzfolie im Alltag konkret?

Sie ist die Nutzschicht, die man tauschen kann. Ein Einkaufswagen am Schaufenster, ein Ring beim Türöffnen, der Reißverschluss einer Jacke im Schulflur: All das landet in der Folie statt im Glas. Wird die Folie nach ein paar Jahren stumpf, wird sie abgezogen und eine neue aufgelegt – im Alltag meist in Eigenregie, für größere Projekte übernimmt das unser Montageservice auf Anfrage. Das Glas darunter ist unversehrt geblieben.

Für welche Gebäude rechnet sich das am schnellsten?

Überall dort, wo ein Scheibenwechsel aufwendig ist. Große Schaufenster, Aufzugverglasungen, Innenwände in Verwaltungen – da kommen zum Glaspreis Montage, Entsorgung und oft ein Gerüst dazu. Im Privathaushalt lohnt es sich vor allem an Terrassentüren und Haustüren mit Glaseinsatz, weil dort täglich Hände, Taschen und Hunde ans Glas kommen.

Können versierte Laien die Folien selbst anbringen?

Ja, mit Sorgfalt. Entscheidend ist die Vorbereitung: fettfrei sauberes Glas, sauberes Werkzeug, genug Montageflüssigkeit. Angerakelt wird von der Mitte nach außen, und am Rand bleiben ein bis anderthalb Millimeter Abstand zum Rahmen. Wer das einhält, bekommt ein Ergebnis, das man nicht sieht – und genau das ist ja das Ziel.

Sehen Fachleute später, dass eine Folie auf der Scheibe liegt?

Bei sauberer Montage praktisch nicht. Auffällig wird es erst, wenn Staub eingeschlossen ist oder der Schnitt am Rand unruhig verläuft. In Projekten mit Architekten fällt die Folie meist erst dann auf, wenn jemand einen Kratzer entdeckt und feststellt, dass nur die Schutzschicht betroffen ist.

Was raten Sie Bauherren, die von Anfang an vorsorgen wollen?

Den Schutz einplanen, bevor die Fläche in Betrieb geht. Überall, wo später gereinigt, geschoben oder rangiert wird, gehört eine Antikratzfolie ins Konzept – zusammen mit einer Reinigungsvorgabe für den Dienstleister. Das kostet in der Planung fast nichts und erspart die Diskussion über Kratzer in der Gewährleistung.

Interview-Fazit: Schützen statt schleifen

Ein Kratzer im Glas ist ein bleibender Schaden – die Energie ist besser in den Schutz der nächsten Jahre investiert als in einen Polierversuch, der die Scheibe meist unruhiger zurücklässt, als sie vorher war.

Quellen – Kratzer im Fensterglas

Die folgenden beiden Quellen belegen die Aussagen zur Einteilung von Kratzern im Glas und zu den Reinigungsvorgaben, die Kratzer verursachen oder verhindern. Alle Produktangaben stammen aus den technischen Daten der jeweiligen Artikel im Shop.

1. BF-Merkblatt 012 / 2012 „Reinigung von Glas“

Status: Bundesverband Flachglas e. V., Arbeitskreis „Sicherheitsglas“, unter Mitwirkung des Bundesinnungsverbands des Glaserhandwerks – Merkblatt der Branche

Publikation: BF-Merkblatt 012 / 2012, Abschnitt 3 „Reinigungsvorschriften für Glas“

Belegte Aussagen:

  • „Der Einsatz von spitzen, scharfen metallischen Gegenständen, z. B. Klingen oder Messern, kann Oberflächenschäden (Kratzer) verursachen.“
  • „Das so genannte ‚Abklingen‘ mit dem Glashobel zur Reinigung ganzer Glasflächen ist nicht zulässig.“
  • „Bei der Reinigung von Glas ist immer mit viel sauberem Wasser zu arbeiten, um einen Scheuereffekt durch Schmutzpartikel zu vermeiden.“
  • Zu selbstreinigenden Schichten: Mechanische Beschädigungen stellen dort „nicht nur eine visuell erkennbare Schädigung des Glases“ dar, sondern können „auch zu einem Funktionsverlust an der geschädigten Stelle führen“.

Link: BF-Merkblatt 012 / 2012, Reinigung von Glas (PDF)

2. BauNetz Wissen, Glossar Glas: „Kratzer“

Status: BauNetz Wissen, Fachportal für Architektur und Bauwesen – Glossareintrag im Fachgebiet Glas

Publikation: Fachwissen Glas, Glossar A–Z, Eintrag „Kratzer“

Belegte Aussagen:

  • „Mechanische Beschädigungen auf Glasoberflächen wie etwa Kratzspuren oder Eindrücke zählen zu den mikroskopischen Oberflächendefekten.“
  • Einteilung in „Engelshaar“ (extrem feine, makroskopisch kaum sichtbare Oberflächenkratzer), „Haarkratzer“ (bei genauer Betrachtung sichtbar, aber nicht fühlbar) und schwache bis starke Kratzer (sichtbar und spürbar).
  • Kratzer haben bei thermisch entspanntem Floatglas – also normalem Fensterglas – einen ungünstigeren Einfluss auf die Materialfestigkeit als bei thermisch vorgespanntem Glas, dem Einscheiben-Sicherheitsglas.

Link: BauNetz Wissen, Glossar Glas: Kratzer