
Warum eine Klebefolie Lärm kaum dämpft
Wie gut eine Glasscheibe Schall dämmt, hängt vor allem von ihrer Masse und ihrem Aufbau ab. BauNetz Wissen fasst es für Glas so zusammen: Je schwerer und damit je dicker eine Scheibe, desto höher ist ihr Schalldämmwert. Genau hier liegt das Problem jeder Klebefolie: Sie ist hauchdünn.
Unsere Fensterfolien sind je nach Art nur wenige Hundertstel bis rund 0,3 Millimeter dick. Dünne Sichtschutz- und Milchglasfolien liegen bei rund 0,04 bis 0,1 mm, die Sicherheitsfolie A1 bei rund 0,3 mm. Gegenüber einer Glasscheibe, die mehrere Millimeter dick ist, fällt diese zusätzliche Masse kaum ins Gewicht. Deshalb versprechen wir bei keiner unserer Folien einen Schallschutz, und Sie finden bei uns auch keine Dezibel-Angabe dafür.
Dazu kommt ein zweiter Punkt: Lärm kommt nicht nur durch das Glas. Er dringt auch durch undichte Fugen zwischen Flügel und Rahmen oder zwischen Rahmen und Mauerwerk. An diesen Stellen ändert eine Folie auf der Scheibe nichts.
Die Folie im Schallschutzglas
Den Begriff gibt es tatsächlich, nur meint er etwas anderes. Bei Verbundsicherheitsglas werden zwei Scheiben mit einer Zwischenschicht verbunden. Für Schallschutzglas setzen Hersteller dort spezielle Schallschutz-Zwischenfolien aus PVB, einem zähen, elastischen Kunststoff, oder weiche Gießharze ein, die die Schwingungen der Scheiben dämpfen. Diese Folie steckt fest zwischen den Scheiben und wird im Werk verarbeitet. Nachträglich auf ein vorhandenes Fenster kleben lässt sie sich nicht.
Was gegen Lärm am Fenster wirklich hilft
Das Umweltbundesamt empfiehlt, zuerst die Bauteile mit der geringsten Schalldämmung zu verbessern, und das sind in der Regel die Fenster. Welche Maßnahme passt, hängt davon ab, wie stark der Lärm ist und ob Sie Eigentümer oder Mieter sind. Prüfen Sie zuerst, ob das Fenster richtig schließt und ob Dichtungen beschädigt sind, und achten Sie auch auf Geräusche am Rollladenkasten. Bleibt der Lärm trotz intakter Dichtungen deutlich hörbar, sollte ein Fensterfachbetrieb prüfen, ob Verglasung, Rahmen oder Anschlussfugen verbessert werden müssen.
- Dichtungen prüfen und erneuern. Alte, spröde oder plattgedrückte Dichtungen lassen Luft und damit Schall durch. Auch ein schlecht eingestellter Flügel, der nicht mehr fest an den Rahmen gedrückt wird, ist eine typische Lücke. Sind Dichtungen beschädigt oder schließt der Flügel nicht richtig, ist die Reparatur vergleichsweise günstig und kann den Lärm spürbar verringern. Bei bereits dichten Fenstern bringt ein Dichtungswechsel dagegen meist wenig.
- Anschlussfugen am Mauerwerk abdichten. Sitzt der Rahmen nicht dicht in der Wand, nützt das beste Glas wenig. Diese Fuge gehört in die Hand eines Fensterbauers.
- Schallschutzglas oder Schallschutzfenster einbauen. Den besseren Schallschutz bringen unterschiedlich dicke Scheiben, ein größerer Scheibenabstand oder eine dämpfende Zwischenschicht. Wie gut das ganze Fenster schützt, hängt außerdem von Rahmen, Dichtungen und fachgerechtem Einbau ab.
- Vorsatzfenster oder Kastenfenster. Ein zweites Fenster vor oder hinter dem vorhandenen schafft einen großen Abstand zwischen den Scheiben. Das ist bei Altbauten und denkmalgeschützten Fassaden oft der Weg, wenn das alte Fenster bleiben soll.
- Rollladenkasten nicht vergessen. Auch ein ungedämmter Rollladenkasten über dem Fenster ist ein Außenbauteil, durch das Lärm kommt.
Als Mieter und beim Thema Förderung
In einer Mietwohnung gehören Fenster, Dichtungen und Rahmen zur Wohnung, nicht zu Ihrer Einrichtung. Sprechen Sie Ihren Vermieter an, bevor Sie etwas austauschen lassen. Wer an einer stark befahrenen Straße wohnt, sollte außerdem bei seiner Kommune nachfragen: Viele Länder und Kommunen fördern den Einbau von Schallschutzfenstern. Ob und in welcher Höhe es Geld gibt, hängt von Standort und Programm ab.
Wofür unsere Fensterfolien gedacht sind
Gegen Lärm hilft eine Folie nicht. Am selben Fenster kann sie aber andere Probleme lösen, die oft gleichzeitig auftreten:
- Sichtschutz: Eine Milchglasfolie nimmt Passanten und Nachbarn den Blick ins Zimmer und lässt trotzdem Tageslicht herein.
- Hitze im Sommer: Sonnenschutzfolien halten einen großen Teil der Sonnenwärme ab. Welche Folie innen oder außen geklebt wird, hängt vom Folientyp und von Ihrer Verglasung ab.
- Kälte im Winter: Die Isolier- und Kälteschutzfolie verringert den Wärmeverlust über die Scheibe um bis zu 34 %, je nach Glastyp. Am meisten bringt sie auf Einfachglas.
- Glasbruch: Splitterschutzfolien halten die Scherben zusammen, wenn eine Scheibe bricht.
Ein Beispiel aus unserer Beratung: Wer an einer lauten Straße im Erdgeschoss wohnt, will meist zweierlei, nämlich Ruhe und keine Blicke von außen. Für den Lärm sind Dichtungen, Glas oder ein Vorsatzfenster zuständig, für den Sichtschutz die Folie. Beides lässt sich gut kombinieren, nur ersetzt das eine nicht das andere. Wie eine Folie an Ihrem Fenster wirkt, zeigen Ihnen unsere kostenlosen Folienmuster.
Häufige Fragen zu Folie und Lärmschutz am Fenster
Gibt es Schallschutzfolie zum Aufkleben?
Nein, nicht in einer Form, die nennenswert gegen Lärm hilft. Fensterfolien sind höchstens rund 0,3 Millimeter dick und bringen gegenüber der Glasscheibe kaum zusätzliche Masse. Folienmarkt.de führt deshalb keine Schallschutzfolie und gibt für seine Folien keinen Schallschutzwert an.
Was ist dann eine Schallschutzfolie im Glas?
Gemeint ist die Zwischenschicht von Verbundsicherheitsglas, also eine dämpfende Kunststoff- oder Harzschicht zwischen zwei fest verbundenen Scheiben. Sie entsteht bei der Glasherstellung im Werk und kann nicht nachträglich auf ein Fenster geklebt werden.
Welche Maßnahme gegen Lärm am Fenster ist am günstigsten?
Bei undichten Fenstern ist es oft am günstigsten, zuerst die Dichtungen und die Einstellung der Flügel prüfen zu lassen. Schließt das Fenster bereits dicht, ist eher eine bessere Verglasung oder ein anderes Fenster nötig.
Helfen Schallschutzfenster auch gekippt?
Nein. Nach Angaben des Umweltbundesamts wirken Schallschutzfenster nur geschlossen. In Kippstellung dämmen sie nicht besser als ein normales Fenster. Für die Lüftung bei geschlossenem Fenster werden deshalb oft schallgedämmte Fensterlüfter eingebaut.
Kann eine Fensterfolie trotzdem sinnvoll sein, wenn es laut ist?
Ja, aber für andere Zwecke. Eine Folie kann Sichtschutz, Hitzeschutz, Kälteschutz oder Splitterschutz bieten. Gegen den Lärm selbst brauchen Sie Maßnahmen an Dichtungen, Glas oder Fenster.
Fazit: Gegen Lärm helfen Masse und Dichtheit, nicht Folie
Eine Schallschutzfolie zum Aufkleben gibt es nicht in einer Form, die Lärm spürbar dämpft. Wer es leiser haben will, lässt zuerst prüfen, wo der Schall eindringt. Sind die Fenster undicht, helfen neue Dichtungen; liegt es an Glas oder Fensterkonstruktion, kommen Schallschutzglas, Schallschutzfenster oder ein Vorsatzfenster infrage. Folie lohnt sich am selben Fenster für Sichtschutz, Hitze, Kälte oder Splitterschutz. Wenn Sie unsicher sind, welche Folie zu Ihrem Fenster passt, schicken Sie uns die Angaben zu Ihrer Verglasung – wir beraten Sie gern.
Quellen – Schallschutz am Fenster
Die folgenden drei Quellen belegen die Aussagen zur Schalldämmung von Glas, zum Aufbau von Schallschutzglas und zur Wirkung von Schallschutzfenstern. Die Foliendicken stammen aus unserer eigenen Produktkenntnis; für keine unserer Folien geben wir einen Schallschutzwert an.
1. Schalldämmung von Gläsern
Status: BauNetz Wissen Glas, Fachwissen Bauphysik
Publikation: Schallschutz: Schalldämmung von Gläsern
Belegte Aussagen:
- Scheibengewicht: „Je schwerer, d.h. je dicker, desto höher ist der Schalldämmwert.“
- „mit Schallschutz-Gießharzen und speziellen Schallschutz PVB-Folien kann bei VSG / VG der Schalldämmwert erheblich verbessert werden“
- Wichtig ist eine gute Durchbildung des Fensterrahmens, „um eine ausreichende Dichtigkeit der Fugen zu gewährleisten“.
2. Schallschutzglas
Status: BauNetz Wissen, Glossar
Publikation: Schallschutzglas
Belegte Aussage: Der Schallschutz einer Verglasung lässt sich optimieren durch unterschiedliche Scheibendicke, vergrößerten Scheibenabstand und hohe Glas-Masse bei geringer Biegesteifigkeit, etwa „VSG mit Gießharz“.
3. Straßenverkehrslärm und Schallschutzfenster
Status: Umweltbundesamt, Themenseite Lärm
Publikation: Straßenverkehrslärm
Belegte Aussagen:
- „Die Bauteile mit der geringsten Schalldämmung müssen zuerst verbessert werden. Das sind in der Regel die Fenster.“
- „Schallschutzfenster wirken allerdings nur, wenn sie geschlossen sind, bei gekippter Stellung ist die Schalldämmung nicht besser als bei normalen Fenstern.“
- Viele Länder und Kommunen haben Förderprogramme zum Einbau von Schallschutzfenstern.