In vielen modernen Büros sind Glaswände zum Symbol für Transparenz und offenes Arbeiten geworden. Doch genau diese Offenheit wird zum Problem, wenn konzentriertes Arbeiten, Vertraulichkeit oder ein ruhiger Rückzugsort gefragt sind. Gespräche im Flur lenken ab, Blicke von außen stören, sensible Bildschirminhalte sind für jeden sichtbar. Gleichzeitig soll das Büro hochwertig und hell bleiben, ohne den Raum mit massiven Wänden zu verschließen.
Was dabei fast immer übersehen wird: Eine Ganzglaswand im Büro ist nicht nur eine Gestaltungsfrage, sondern auch eine Frage des Arbeitsschutzes. Sie muss gekennzeichnet sein. Eine Sichtschutzfolie kann dabei zwei Aufgaben verbinden: Sie macht die Glaswand blickdicht und kann zugleich zur vorgeschriebenen Kenntlichmachung beitragen. Wie das zusammenpasst, welche Folie wofür taugt und worauf Sie bei der Auswahl achten müssen, steht in diesem Beitrag.
Warum Glaswände im Büro Sichtschutz brauchen
Transparente Glasflächen und Glastrennwände prägen heute viele Büroräume. Sie schaffen Helligkeit, Offenheit und ein modernes Design. Im Alltag zeigt sich oft ein anderes Bild: Mitarbeitende fühlen sich beobachtet, Besprechungen sind von außen einsehbar, der gewünschte Sichtschutz fehlt. Gerade in Besprechungsräumen, an Arbeitsplätzen entlang des Flurs oder bei Glastrennwänden zwischen Teams entsteht ein Spannungsfeld zwischen Transparenz und Privatsphäre.
Das ist keine reine Befindlichkeit. Das Fraunhofer-Institut für Bauphysik nennt in seinem Projekt zur visuellen Privatheit an Büroarbeitsplätzen unter anderem das unbefugte Einsehen von Bildschirmen als Ursache dafür, dass die Stressbelastung steigt – langfristig mit Folgen für die Gesundheit der Beschäftigten. Ein durchdachter Sichtschutz an der Glaswand wirkt deshalb funktional und gestalterisch zugleich.

Wenn Transparenz zu viel wird
„Im Besprechungsraum sitzt man wie im Schaufenster.“ So beschreiben es Kunden am häufigsten, wenn sie bei uns anrufen. Die offene Architektur mit großen Glasflächen wirkt modern und nimmt zugleich Privatsphäre und Ruhe.
Seit 19 Jahren begleiten wir Bauherren, Architekten und Facility Manager bei der Nachrüstung von Glastrennwänden. Die Frage, wie sich eine Glaswand im Büro nachträglich blickdicht machen lässt – ohne Umbau, Staub und hohe Kosten –, begegnet uns fast täglich. Mit Sichtschutzfolien in Milchglasoptik geht das, und der Raum bleibt hell.
Kennzeichnungspflicht: Glaswände müssen sichtbar sein
Bevor es um Design geht, lohnt der Blick ins Regelwerk – denn hier liegt ein Argument, das viele Unternehmen nicht auf dem Schirm haben. Die Arbeitsstättenverordnung schreibt im Anhang unter Nummer 1.5 Absatz 3 wörtlich vor:
„Durchsichtige oder lichtdurchlässige Wände, insbesondere Ganzglaswände in Arbeitsräumen oder im Bereich von Verkehrswegen, müssen deutlich gekennzeichnet sein.“
Konkretisiert wird das in der Technischen Regel ASR A1.6 unter Punkt 4.3 Absatz 1. Dort steht, dass in der Nähe von Arbeitsplätzen und im Bereich von Verkehrswegen die Kennzeichnung von durchsichtigen, nicht strukturierten Flächen in Augenhöhe erforderlich ist – und dass dies zum Beispiel durch Bildzeichen, Symbole, farbige Tönungen oder Klebefolien erfolgen kann.
Aus diesen zwei Sätzen ergibt sich der praktische Kern: Eine Klebefolie ist kein Behelf, sondern ein ausdrücklich genanntes Mittel. Und weil sich die Pflicht auf nicht strukturierte Flächen bezieht, arbeitet eine vollflächige Milchglasfolie in dieselbe Richtung – die Fläche ist dann nicht mehr klar durchsichtig, die Wand wird als Wand wahrgenommen.
Eine Zusage ist das trotzdem nicht. Die ASR A1.6 verlangt, dass die Kennzeichnung in Augenhöhe liegt und sich je nach Beleuchtung und Hintergrund gut erkennbar abhebt. Ob Ihre konkrete Ausführung das erfüllt, entscheidet die Gefährdungsbeurteilung, nicht der Folienhersteller.
Ein Sonderfall sind Ganzglaselemente aus Einscheibensicherheitsglas. Die DGUV weist darauf hin, dass eine großflächige Beklebung das Bruchverhalten beeinflussen kann, und empfiehlt für die reine Kenntlichmachung dort mehrere kleinflächige Aufkleber. Bei ESG-Wänden gehört die Folierung deshalb vorab geprüft, statt sie pauschal als Ersatz für eine Sicherheitskennzeichnung zu behandeln.
Eine Einschränkung gehört dazu: Die Arbeitsstättenverordnung verlangt im Anhang unter Nummer 3.4 Absatz 1 für Arbeitsräume eine Sichtverbindung nach außen. Diese kann auch mittelbar durch einen angrenzenden Raum hindurch bestehen – und genau dafür ist manche innen liegende Glaswand da. Bevor Sie eine solche Wand vollflächig blickdicht machen, prüfen Sie deshalb, ob dahinter noch ein Weg nach draußen bleibt. Bei Fenstern in der Fassade gilt das erst recht: Dort gehört eine vollflächig opake Folie nicht ungeprüft ans Glas.
Warum Folie meist die beste Lösung ist
Wenn Sie überlegen, wie Sie eine Glaswand im Büro blickdicht bekommen, stehen meist drei Optionen im Raum: Vorhänge, feste Trennwände oder Sichtschutzfolien. In den meisten Fällen ist die Folie die funktionalste und wirtschaftlichste Lösung.
Vorhänge und Rollos wirken schnell unruhig, sammeln Staub und nehmen viel Licht. Feste Trennwände zerstören die Offenheit und erfordern Eingriffe in die Bausubstanz. Eine gut gewählte Milchglasfolie verwandelt Ihre Glastrennwand dagegen in einen eleganten Sichtschutz aus Glas, ohne die Architektur zu überdecken.
- Kein Umbau: Die bestehende Glasfläche bleibt erhalten, nur die Oberfläche wird veredelt.
- Im laufenden Betrieb machbar: Keine Baustelle, keine Räumung, kein Ausfalltag.
- Saubere Lösung: Keine Bohrungen, kein Bauschmutz, keine Lärmbelastung.
- Zwei Aufgaben, ein Schritt: Sichtschutz und Kenntlichmachung der Glasfläche lassen sich verbinden.
Teilflächig oder vollflächig folieren?
In der Praxis läuft ein Projekt meist so ab: Sie legen fest, welche Bereiche wirklich diskret sein müssen – Besprechungsräume, Beratungszonen, Arbeitsplätze mit sensiblen Daten. Anschließend wählen Sie die Folie, die zum Design passt und den nötigen Grad an Blickdichte liefert.
Oft genügt es, nur Teilbereiche zu folieren, etwa ein Band auf Augenhöhe. So bleibt die Transparenz nach oben und unten erhalten, während im Sitzen und Stehen geschützt gearbeitet wird. Für vertrauliche Besprechungen ist dagegen ein vollflächiger Sichtschutz die richtige Wahl.
- Besprechungsräume: vollflächige Folierung für maximale Diskretion.
- Arbeitsplätze im Open Space: Teilfolierung als moderner Raumteiler.
- Flure und Empfangsbereiche: Designfolien, die Orientierung und Sichtschutz verbinden.
- Praxis- und Beratungsräume: dauerhafter Sichtschutz mit möglichst viel Tageslicht.
Muster, Zonen und Bürogestaltung
Viele Verantwortliche fürchten, dass Sichtschutz automatisch „schwer“ und dunkel wirkt. Das Gegenteil ist der Fall, wenn Sie die passende Folie wählen. Moderne Milchglas-Designs verbinden Helligkeit mit klaren Linien, die Büroarchitektur bleibt hochwertig.
Mit strukturierten Mustern wie Streifen, Punkten oder Quadraten machen Sie Glastrennwände nicht nur blickdicht, sondern markieren zugleich Wege und Zonen im Büroraum.
- Streifendesigns strukturieren lange Glaswände und lockern große Flächen auf.
- Punkt- und Quadratmuster wirken modern und passen zu kreativen Agenturen.
- Homogene Milchglasfolien sind ideal für seriöse Beratungs- und Praxisräume.

Was Milchglasfolie im Büroalltag bringt
- Privatsphäre ohne Dunkelheit: Das Licht wird gestreut, nicht blockiert.
- Weniger Blendung – je nach Folie: Der Satinator nimmt 55 % der Blendung, Opak Weiß 22 %, die Punkt- und Quadratmuster kaum etwas. Wer am Fenster arbeitet, wählt danach aus.
- Mehr Ruhe am Platz: Weniger direkte Einblicke, weniger Ablenkung.
- Ressourcenschonend: Sie nutzen die vorhandenen Glasflächen weiter, statt sie zu ersetzen.
- Arbeitsschutz mitgedacht: Die Fläche ist nicht mehr klar durchsichtig – ein Beitrag zur vorgeschriebenen Kenntlichmachung.
Die passenden Folien für Büro-Glaswände
Damit der Sichtschutz funktioniert, ist die richtige Produktauswahl entscheidend. Ein Hinweis zu den Zahlen: Auf den Produktseiten stehen zwei Werte nebeneinander. Die empfundene Lichthelligkeit beschreibt den Eindruck im Raum, die gemessene Lichtdurchlässigkeit das, was physikalisch durchkommt. In der Tabelle steht durchgehend der gemessene Wert aus dem technischen Datenblatt – er liegt bei den Strukturfolien deutlich unter dem gefühlten.
| Folie | Lichtdurchlässigkeit | Blendreduzierung | Blickdicht | Empfohlen für |
|---|---|---|---|---|
| Milchglasfolie Opak Weiß innen | 69 % | 22 % | Vollflächig, auch nachts | Besprechungsräume und Praxen, wo nichts durchscheinen darf. |
| Milchglasfolien Satinator | 45 % | 55 % | Vollflächig, auch nachts | Stärkster Blendschutz im Vergleich – für Arbeitsplätze direkt am Fenster. |
| Milchglasfolien Matt Bands | 63 % | 37 % | Abhängig vom Betrachtungsabstand | Zonierung langer Glaswände, Balken ca. 45 mm breit. |
| Milchglasfolien Matt Dots Small | 82 % | 10 % | Abhängig vom Betrachtungsabstand | Arbeitsplätze mit hohem Lichtbedarf, Punkte ca. 3 mm. |
| Milchglasfolien Matt Squares | 69 % | 16 % | Abhängig vom Betrachtungsabstand | Offene Raumkonzepte, Quadrate ca. 45 × 45 mm. |
Für vollflächig blickdichte Glasflächen im Besprechungsraum ist die Milchglasfolie Opak Weiß innen die naheliegende Wahl: Sie ist weder von innen noch von außen durchsichtig, auch nicht bei Nacht, und behält dabei 69 % Lichtdurchlässigkeit. Der Satinator liefert dieselbe Blickdichte in satinierter Optik und nimmt mit 55 % die meiste Blendung – dafür kommt mit 45 % rund die Hälfte des Lichts durch.
Die Strukturfolien Matt Bands, Matt Dots Small und Matt Squares sind Designfolien mit Sichtschutzwirkung: Mit zunehmender Entfernung nimmt die Durchsicht deutlich ab, direkt an der Scheibe bleiben Einblicke möglich. Für einen Beratungsraum reicht das nicht – dort gehört eine vollflächige Milchglasfolie an die Scheibe. Für die Zonierung eines Open Space sind sie genau richtig.

Montage in sechs Schritten
Viele Kunden sind überrascht, wie gut das selbst gelingt. Gut zugängliche Standardflächen schaffen die meisten Büroteams mit Montageset und Anleitung. Bei großen oder schwer erreichbaren Glaswänden ist die professionelle Montage die sicherere Wahl.
- Glas reinigen: Glasfläche gründlich entfetten und von Staub befreien.
- Maße prüfen: Glasfeld an mehreren Stellen messen und das kleinste Maß nehmen. Beim Zuschnitt geben Sie das lichte Glasmaß abzüglich 4 mm in Höhe und Breite an; Zuschnitte sind bis 300 cm möglich, größere Felder bestellen Sie als Meterware.
- Nassverklebung: Oberfläche mit Montageflüssigkeit einsprühen, Trägerfolie abziehen.
- Folie positionieren: Folie ausrichten, Verschieben ist dank Flüssigkeit möglich.
- Wasser ausrakeln: Von der Mitte nach außen arbeiten, Restflüssigkeit entfernen.
- Kanten schneiden: Überstand mit scharfer Klinge abtrennen und dabei 1 bis 1,5 mm Abstand zum Rahmen lassen – direkt an der Kante geschnitten lösen sich die Ränder später am ehesten.
Pflege, Haltbarkeit und Rückbau
Sichtschutzfolien sind auf lange Nutzungsdauer ausgelegt. Sie reinigen die folierten Glasflächen wie normale Scheiben – ohne Klingen und ohne Scheuermittel. Bei Innenfolien gilt eine Garantie von bis zu 10 Jahren; Garantiezeit und Umfang unterscheiden sich je nach Folie und stehen verbindlich beim Artikel im Shop.
Wie lange eine Folie optisch einwandfrei bleibt, hängt neben der Montage von Sonneneinstrahlung, Reinigung und Nutzung ab. Eine Glaswand direkt an der Südfassade wird stärker beansprucht als eine im Flur.
Zum Rückbau: Die Folie lässt sich später wieder abziehen, ohne das Glas zu beschädigen. Dass dabei nichts zurückbleibt, lässt sich allerdings nicht versprechen. Je nach Produkt, Alter der Folie und Untergrund können Klebereste bleiben. Entfernen Sie diese nach den Herstellerhinweisen und nur mit Mitteln, die für die vorhandene Verglasung geeignet sind – bei Ganzglaselementen rät die DGUV ausdrücklich von Reinigungsklingen ab.
Häufige Fragen zu blickdichten Büro-Glaswänden
Wie lange dauert es, eine Glaswand blickdicht zu machen?
Das hängt von Größe, Anzahl und Zugänglichkeit der Glasfelder ab. Das erste Feld dauert am längsten, danach geht es routinierter. Verlässlich ist der Vergleich zum Umbau: Eine Folierung läuft im laufenden Betrieb, der Einbau einer neuen Trennwand legt den Bereich für Tage lahm.
Dürfen Mieter eine Glaswand im Büro folieren?
Das ist eine Frage des Mietvertrags, keine pauschale. Prüfen Sie vor der Folierung, was dort zu baulichen Veränderungen steht, und holen Sie die Zustimmung des Vermieters ein – bei großen Flächen und bei denkmalgeschützten Gebäuden auf jeden Fall. Rechnen Sie beim Rückbau damit, dass Klebereste möglich sind.
Wird der Raum durch die Folie dunkler?
Etwas, aber weniger als erwartet. Milchglasfolien streuen das Licht, statt es zu blockieren. Die Milchglasfolie Opak Weiß innen kommt auf 69 % gemessene Lichtdurchlässigkeit, Matt Dots Small auf 82 %. Deutlich dunkler wird es nur beim Satinator mit 45 % – dafür nimmt der als einziger auch spürbar Blendung.
Ersetzt eine Milchglasfolie die vorgeschriebene Kennzeichnung?
Nicht automatisch. Die Arbeitsstättenverordnung verlangt im Anhang 1.5 Absatz 3, dass Ganzglaswände deutlich gekennzeichnet sind. Die Technische Regel ASR A1.6 bezieht diese Pflicht auf durchsichtige, nicht strukturierte Flächen und nennt Klebefolien ausdrücklich als geeignetes Mittel. Eine vollflächige Milchglasfolie nimmt der Fläche die Durchsicht und arbeitet damit in dieselbe Richtung. Ob das im Einzelfall genügt, hängt von Augenhöhe, Kontrast, Glasart und Einbausituation ab und gehört in die Gefährdungsbeurteilung – bei Einscheibensicherheitsglas besonders, weil die DGUV dort auf Besonderheiten beim großflächigen Bekleben hinweist.
Sind strukturierte Folien auch nachts blickdicht?
Nur eingeschränkt. Vollflächige Folien wie Opak Weiß und Satinator sind rund um die Uhr blickdicht, unabhängig von der Beleuchtung. Bei den Strukturfolien Matt Bands, Matt Dots Small und Matt Squares nimmt die Durchsicht mit der Entfernung ab; direkt an der Scheibe bleiben Einblicke möglich. Für vertrauliche Räume gehört deshalb eine vollflächige Milchglasfolie an die Scheibe.
Kann man die Folie selbst montieren?
Ja, die Selbstmontage ist bei den meisten Büroprojekten realistisch. Wichtig sind eine gute Anleitung, ein Montageset und etwas Geduld beim ersten Glasfeld. Handwerkliches Vorwissen hilft, ist aber keine Voraussetzung.
Wie lange hält eine Sichtschutzfolie an der Glaswand?
Die Garantie steht beim jeweiligen Artikel und unterscheidet sich je nach Folie. Für die Praxis wichtiger ist die Montage: Wo entfettet und blasenfrei gearbeitet wurde, hält die Folie erfahrungsgemäß über die Garantiezeit hinaus. Wo Fett oder Staub unter die Folie geraten sind, zeigen sich die Stellen schon nach Monaten.
Fazit: Sichtschutz und Kenntlichmachung zusammen planen
Eine Glaswand im Büro nachträglich blickdicht zu machen, geht mit Milchglasfolie ohne Umbau und im laufenden Betrieb. Sie gewinnen Privatsphäre, behalten das Tageslicht und decken zugleich einen Teil dessen ab, was die Arbeitsstättenverordnung für Ganzglaswände ohnehin verlangt.
Die Auswahl folgt einer einfachen Regel: Wo nichts durchscheinen darf, kommt eine vollflächige Folie an die Scheibe. Wo es um Zonierung und Design geht, reichen Streifen, Punkte oder Quadrate.
Interview: Glaswände im Büro blickdicht machen
Sie folieren seit Jahren Büros – womit fangen Sie an?
Mit der Frage, welche Bereiche wirklich diskret sein müssen. Das ist seltener die ganze Etage, als die Leute denken. Häufig reichen zwei Besprechungsräume und ein Band auf Augenhöhe entlang des Flurs. Danach werden die Glasfelder ausgemessen und die Folie festgelegt – das machen die meisten Kunden selbst, für größere Projekte übernimmt das unser Montageservice auf Anfrage. Mit zugeschnittener Sichtschutzfolie und sauber entfetteter Scheibe geht ein einzelnes Feld zügig.
Was raten Sie Unternehmen, die nur zur Miete sitzen?
Erst in den Mietvertrag schauen, dann kleben. Die Folie liegt als zusätzliche Schicht auf dem Glas und verändert es nicht dauerhaft – trotzdem ist das eine Frage der Zustimmung, nicht der Technik. Bei größeren Flächen würde ich sie immer schriftlich einholen.
Was ich nicht verspreche: dass beim Abziehen garantiert nichts zurückbleibt. Je nach Alter und Untergrund können Klebereste bleiben. Die lassen sich entfernen, aber man sollte es vorher wissen.
Viele fürchten, dass es im Raum dunkel wird. Zu Recht?
Meist nicht. Die Folie streut das Licht diffus, statt es zu schlucken. Opak Weiß liegt bei 69 % Lichtdurchlässigkeit, Matt Dots Small bei 82 % – da merkt man kaum einen Unterschied. Wer den Satinator wählt, sollte wissen, dass er mit 45 % rund die Hälfte des Lichts nimmt – dafür nimmt er als einziger auch spürbar Blendung, 55 %. Bei tiefen Grundrissen ohne Blendungsproblem würde ich stattdessen zur Opak Weiß innen greifen.
Wie kommt der Arbeitsschutz bei diesem Thema ins Spiel?
Über die Kennzeichnungspflicht. Die Arbeitsstättenverordnung verlangt, dass Ganzglaswände deutlich gekennzeichnet sind, und die ASR A1.6 nennt Klebefolien als eines der zulässigen Mittel. Das überrascht viele Kunden – sie kommen wegen der Privatsphäre und stoßen dabei auf ein Arbeitsschutzthema.
Wichtig ist der Zusatz „nicht strukturiert“ in der Regel. Sobald die Fläche nicht mehr klar durchsichtig ist, wird sie als Wand wahrgenommen, und darum geht es: dass niemand hineinläuft. Abnehmen kann ich niemandem die Prüfung im Einzelfall – Augenhöhe und Kontrast muss die Fachkraft für Arbeitssicherheit beurteilen, und bei ESG-Wänden gehört die Beklebung ohnehin gesondert angesehen.
Und abends, wenn drinnen das Licht brennt?
Bei vollflächigen Milchglasfolien ändert sich nichts. Opak Weiß ist weder von innen noch von außen durchsichtig, auch nicht bei Nacht. Bei einer Spiegelfolie ist das anders: Die lebt von der Lichtrichtung. Brennt abends drinnen das Licht, wirkt sie wieder wie ein Fenster, in das man hineinschauen kann – wiederherstellen lässt sich der Sichtschutz nur mit einer Beleuchtung von außen, die heller ist als das Licht im Raum.
Bei den Strukturfolien sieht es wieder anders aus: Matt Bands, Dots und Squares halten den Blick mit zunehmendem Abstand ab, direkt an der Scheibe bleibt eine Restdurchsicht. In Beratungsräumen setze ich deshalb konsequent auf vollflächige Folien.
Trauen sich Ihre Kunden die Montage selbst zu?
Die meisten ja, und es klappt. Wichtig sind eine gute Anleitung, das richtige Montageset und Geduld bei der ersten Scheibe. Handwerkliches Vorwissen ist hilfreich, aber keine Pflicht. Mit Videoanleitung und Schritt-für-Schritt-Beschreibung folieren Büroteams ihre Glasflächen regelmäßig selbst.
Wie halten sich die Folien über die Jahre?
Gut, wenn die Montage stimmt. Bei Innenfolien liegt die Garantie bei bis zu zehn Jahren, Dauer und Umfang stehen beim jeweiligen Artikel. Wie lange die Folie wirklich einwandfrei bleibt, hängt daneben von Sonneneinstrahlung, Reinigung und Nutzung ab – eine Glaswand an der Südfassade altert schneller als eine im Flur. Gereinigt wird wie normales Glas, mit weichem Tuch und haushaltsüblichem Glasreiniger.
Lohnt sich ein Muster vorab?
Immer. Auf Fotos sieht jede Folie anders aus als an der echten Glaswand mit Ihrem Licht und Ihren Möbelfarben. Ein kleines Stück lässt sich schnell ankleben und wieder abnehmen. Gerade wenn mehrere Glaswände foliert werden sollen, spart dieser Schritt teure Fehlentscheidungen.
Auf welchen Gläsern funktioniert das nicht?
Auf strukturiertem und Ornamentglas – dort haftet die Folie nicht flächig, und das Muster wirkt unruhig. Da sind Sonnenschutzrollos die bessere Antwort. Bei Acrylglas, Polycarbonat und anderen Kunststoffverglasungen nehmen Sie nur Folien, die ausdrücklich dafür freigegeben sind – die gibt es als Folien für Kunststoffe. Auf glatter, sauberer und silikonfreier Einfach- oder Isolierverglasung, klar oder getönt, funktioniert die Montage dagegen gut. Welche Folie für welches Glas freigegeben ist, steht beim Produkt – und bei ESG oder Sonderverglasungen fragen Sie vorab kurz nach.
Interview-Fazit: Folie statt Umbau
Milchglas-Sichtschutzfolien sind der schnellste Weg, Glastrennwände im Büro blickdicht zu machen – ohne Umbau und ohne nennenswerten Tageslichtverlust. Der Büroraum behält seinen offenen Charakter und gewinnt die Privatsphäre, die im Arbeitsalltag tatsächlich gebraucht wird. Dass die Fläche damit zugleich als Wand erkennbar wird, nehmen die meisten Kunden als willkommene Zugabe mit.
Quellen
Die rechtlichen Vorgaben zur Kennzeichnung von Glaswänden und die Aussagen zur visuellen Privatheit im Büro stützen sich auf folgende Quellen:
1. Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV), Anhang
Belegte Aussage: „Durchsichtige oder lichtdurchlässige Wände, insbesondere Ganzglaswände in Arbeitsräumen oder im Bereich von Verkehrswegen, müssen deutlich gekennzeichnet sein.“ (Anhang 1.5 Absatz 3). Anhang 3.4 Absatz 1 verlangt für Arbeitsräume zudem eine Sichtverbindung nach außen.
2. BAuA – ASR A1.6 „Fenster, Oberlichter, lichtdurchlässige Wände“
Belegte Aussage: „In der Nähe von Arbeitsplätzen und im Bereich von Verkehrswegen ist die Kennzeichnung von durchsichtigen, nicht strukturierten Flächen in Augenhöhe erforderlich. Dies kann z. B. durch ausreichend große Bildzeichen, Symbole, farbige Tönungen oder Klebefolien erfolgen.“ (Punkt 4.3 Absatz 1)
Link: baua.de – ASR A1.6 (PDF)
3. DGUV Information 208-014 „Glastüren, Glaswände“
Belegte Aussage: Die Schrift zitiert die Kennzeichnungspflicht aus ArbStättV Anhang 1.5 (3) für lichtdurchlässige Wände und beschreibt, wie die Kennzeichnung zum Hintergrund einen deutlichen Kontrast bilden muss.
Link: publikationen.dguv.de – DGUV Information 208-014 (PDF)
4. Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP
Belegte Aussage: Im Projekt „Nachhaltige akustische und visuelle Privatheit an Büroarbeitsplätzen“ nennt das Institut unter anderem das unbefugte Einsehen von Bildschirmen als Ursache: „Kurzfristig steigt damit die Stressbelastung – langfristig schlägt sich das in der psychischen und physischen Gesundheit der Mitarbeitenden nieder.“
Link: ibp.fraunhofer.de – Visuelle Privatheit an Büroarbeitsplätzen