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Wie foliert man Möbel selbst – Schritt für Schritt?

Eine Kommode, ein Schrank oder ein Regal soll anders aussehen, aber neu kaufen möchten Sie nicht. Mit Möbelfolie geht das, wenn der Ablauf stimmt. Die meisten Fehler entstehen nicht beim Kleben selbst, sondern davor: zu wenig Folie bestellt, Untergrund nicht geprüft, Griffe nicht abgeschraubt. Dieser Beitrag zeigt Ihnen den ganzen Weg in der richtigen Reihenfolge, vom Ausmessen über die Vorbereitung bis zur fertigen Kante.

Seit 19 Jahren beraten wir Kundinnen und Kunden, die ihre Möbel selbst folieren. Eines vorweg: Folienmarkt liefert das Material, das Folieren übernehmen Sie selbst oder ein Handwerksbetrieb Ihrer Wahl. Damit das gelingt, gibt es hier die Anleitung.

Der Ablauf im Überblick: fünf Schritte

Wer Möbel folieren will, arbeitet am besten in dieser Reihenfolge. Jeder Schritt baut auf dem vorigen auf:

  1. Planen: Flächen ausmessen, Dekorrichtung festlegen, Menge in Laufmetern berechnen.
  2. Vorbereiten: Griffe und Beschläge abbauen, Untergrund prüfen, reinigen, grundieren.
  3. Fläche bekleben: trocken, abschnittsweise, mit dem Rakel, einem flachen Kunststoffspachtel, von der Mitte nach außen.
  4. Kanten und Ecken: Folie anwärmen, um die Kante legen, auf der Rückseite abschneiden.
  5. Abschließen: Beschläge wieder montieren, gut lüften.

Zwei Schritte haben bei uns im Magazin eigene Beiträge, weil dort am meisten schiefgeht: welche alten Möbel sich überhaupt folieren lassen und wie man Möbelkanten, Ecken und Rundungen sauber hinbekommt. Hier geht es um den Ablauf als Ganzes.

Planen: Wie viel Möbelfolie brauche ich?

Möbelfolie gibt es bei uns als Meterware, nicht als fertigen Zuschnitt. Die Bahn ist 1,22 m breit, bestellt wird ab 2 Laufmetern und abgerechnet auf volle Meter. Für die Planung heißt das:

  • Messen Sie jede Front, jede Seitenwand und jede Deckplatte einzeln aus, jeweils mit Überstand für die Kanten.
  • Legen Sie die Teile auf dem Papier nebeneinander auf eine 1,22 m breite Bahn. So sehen Sie, wie viele Laufmeter Sie wirklich brauchen.
  • Bei Holzoptik und gerichteten Dekoren muss die Maserung auf allen Teilen in dieselbe Richtung laufen. Das kostet oft etwas mehr Folie, als die reine Fläche vermuten lässt.
  • Planen Sie eine Reserve für einen misslungenen Versuch ein.

Muster gibt es bei Möbelfolien nicht; ein kleines Stück aus Ihrer Bestellung (Möbelfolien als Meterware) zeigt Haftung und Optik an einer verdeckten Stelle.

Untergrund prüfen und vorbereiten

Die Folie wird nur so gut wie die Fläche darunter. Diese Fläche muss glatt, fest, sauber und unbeschädigt sein. Melaminbeschichtete Möbel, also die typischen Korpusmöbel aus beschichteter Spanplatte, sind dafür glatt genug. Lackierte Flächen eignen sich, wenn der Lack fest sitzt und nicht abblättert. Poröse, aufgequollene oder abblätternde Stellen tragen die Folie nicht. Grundiert wird trotzdem, auch auf glatten Flächen – mehr dazu im nächsten Abschnitt. Woran Sie Lack, Öl und Furnier erkennen, steht im Beitrag zu alten Möbeln und Möbelfolie.

Abbauen, reinigen, grundieren

Schrauben Sie Griffe, Knöpfe und, wenn möglich, die Fronten selbst ab. Liegend lässt sich eine Tür deutlich leichter bekleben als stehend am Korpus. Danach reinigen Sie jede Fläche gründlich und fettfrei, besonders an Griffmulden und Kanten. Rückstände von Möbelpolitur oder Wachs entfernen Sie vorher gründlich.

Bei den Möbelfolien in unserer Tabelle weiter unten steht im Datenblatt jeweils „Primer erforderlich“. Ein Primer ist eine Haftgrundierung, die den Kleber besser auf dem Untergrund halten lässt. Sie bekommen ihn in jedem Baumarkt. Lassen Sie ihn vollständig trocknen, bevor die Folie daraufkommt, und lüften Sie beim Arbeiten und in den Tagen danach gut.

Kommode mit drei Schubladen, deren Fronten vollflächig mit matter Möbelfolie in Eichenoptik beschichtet sind

Die Fläche bekleben – trocken, nicht nass

Anders als viele Fensterfolien wird Möbelfolie trocken verklebt, also ohne Montageflüssigkeit. Sie sitzt deshalb beim ersten Andrücken. Umso wichtiger ist es, abschnittsweise zu arbeiten:

  • Schneiden Sie das Teil mit Überstand zu und legen Sie es einmal trocken mit Trägerpapier auf die Fläche, um die Lage zu prüfen.
  • Ziehen Sie das Trägerpapier an einer Kante nur ein kurzes Stück ab und richten Sie die Folie dort genau aus.
  • Streichen Sie die Folie mit dem Rakel von der Mitte nach außen an und ziehen Sie das Trägerpapier dabei Stück für Stück weiter ab.
  • Arbeiten Sie ohne Zug auf der Folie, sonst verzieht sich das Dekor.

Viele Dekore haben einen Kleber mit Luftkanälen. Eingeschlossene Luft lässt sich dann meist mit dem Rakel zum Rand hin ausstreichen. Rakel und Cuttermesser finden Sie unter Werkzeug im Shop; ein Föhn für die Kanten ist fast in jedem Haushalt vorhanden.

Kanten, Ecken und Rundungen

Erst wenn die Fläche vollständig sitzt, ist der Rand dran. Viele unserer Möbelfolien sind laut Datenblatt thermisch verformbar: Leicht angewärmt werden sie weicher und lassen sich um eine Kante legen.

  • Lassen Sie so viel Überstand, dass die Folie um die Kante herum bis auf die Rückseite reicht.
  • Wärmen Sie den Überstand gleichmäßig mit dem Föhn an, legen Sie ihn mit wenig Zug um die Kante und drücken Sie ihn auf der Rückseite fest.
  • An Außenecken schneiden Sie den Überstand diagonal ein, statt ihn zu falten.
  • Den Rest schneiden Sie auf der Rückseite mit einem scharfen Cutter ab.

Zum Schluss schrauben Sie Griffe und Beschläge wieder an und lüften den Raum noch einige Tage gut. Überstand, Diagonalschnitt und Rundungen zeigen wir ausführlich im Beitrag Möbelkanten folieren.

Nahaufnahme einer Schranktür, deren vordere Kante glatt von schwarzer Glanzfolie umschlossen ist

Welche Möbelfolie für welches Möbel?

Für den Ablauf ist es fast gleich, welches Dekor Sie wählen. Unterschiede gibt es bei Stärke und Oberfläche. Die Auswahl unten reicht von dünnen Uni- und Holzdekoren bis zur dicken Stoffoptik, alle Werte stammen aus den technischen Daten des jeweiligen Artikels:

Welche Möbelfolie für welches Möbel?
Folie Optik und Oberfläche Stärke passt gut zu
SG-SF 1116 Gealterte Eiche Holzoptik, matt 200 µm (0,2 mm) Kommoden, Schranktüren, Sideboards
SG-SF 110 Blasses Blau Unifarbe, matt 200 µm (0,2 mm) Kinderzimmer, Regale, Schubladenfronten
MG-MF 487 Urbaner Stein Betonoptik, matt 250 µm (0,25 mm) Regale, Sideboards, Theken
EG-EF 690 Weiß Glitzer und Glanz Weiß mit feinem Glitzer, glänzend 250 µm (0,25 mm) helle Fronten, Kleiderschränke
MG 457 Natürlich brauner Stoff Stoffoptik, matt 350 µm (0,35 mm) Akzentflächen, Kopfteile, Paneele

Bestellen und Garantie

Alle fünf Folien sind 1,22 m breit und ab 2 Laufmetern erhältlich. Laut Artikel gilt für alle fünf Folien eine Garantie von 10 Jahren, unter anderem gegen Vergilbung und Delamination, also das Ablösen der Schichten; verbindlich ist die Angabe beim jeweiligen Artikel. Weitere Holz-, Stein-, Uni- und Effektdekore finden Sie in der Kategorie Möbelfolien.

Wohnraum mit Bücherregal und Sideboard, beide vollflächig mit grauer Möbelfolie in Betonoptik beschichtet

Pflege und wo Möbelfolie nicht hingehört

Gereinigt wird mit einem weichen Tuch und einem milden Haushaltsreiniger. Aceton und Benzin sind laut Datenblatt tabu. Mehr dazu steht im Beitrag, wie man Möbelfolie reinigt.

Einige Flächen verlangen mehr Sorgfalt als eine Kommode im Wohnzimmer:

  • Küche: Fronten lassen sich gut folieren, wie der Beitrag Küchenfronten folieren statt neu kaufen zeigt. Die Arbeitsplatte geht mit Primer, aber ohne heiße Töpfe direkt vom Herd.
  • Bad: Feuchtigkeit und Spritzwasser stellen eigene Anforderungen, siehe Badezimmermöbel folieren.
  • Gerätefronten: Fronten von Kühlschrank, Spül- oder Waschmaschine sind grundsätzlich möglich, solange die Funktion des Geräts nicht leidet. Warme Seiten- und Rückwände bleiben frei.

Häufige Fragen zum Folieren von Möbeln

Kann ich Möbel ohne Vorkenntnisse selbst folieren?

Ja. Glatte, flache Fronten sind ein guter Einstieg, schwieriger sind Kanten, Ecken und Rundungen. Beginnen Sie mit einem kleinen Möbel oder einer einzelnen Schublade, bevor Sie einen ganzen Schrank angehen.

Brauche ich für Möbelfolie einen Primer?

Bei den Möbelfolien in diesem Beitrag steht im Datenblatt „Primer erforderlich“. Der Primer ist eine Haftgrundierung und in jedem Baumarkt erhältlich. Er muss vollständig trocken sein, bevor die Folie daraufkommt.

Wird Möbelfolie nass oder trocken verklebt?

Möbelfolie wird trocken verklebt, also ohne Montageflüssigkeit. Sie haftet beim ersten Andrücken, deshalb arbeiten Sie abschnittsweise und ziehen das Trägerpapier nur Stück für Stück ab.

Gibt es Muster von Möbelfolien?

Nein, Muster gibt es bei Möbelfolien nicht. Bestellt wird ab 2 Laufmetern. Testen Sie die Folie mit einem kleinen Stück aus dieser Menge an einer verdeckten Stelle des Möbels. Die Dekore finden Sie in der Kategorie Möbelfolien.

Kann ich Möbelfolie auf alte Möbelfolie kleben?

Ja, wenn die alte Folie ganzflächig fest sitzt, glatt und unbeschädigt ist. Tragen Sie auch dann vorher einen Primer auf.

Lässt sich Möbelfolie wieder entfernen?

Abziehen lässt sie sich, leicht angewärmt geht es meist besser. Ob der Untergrund dabei unbeschädigt bleibt und wie viel Kleber zurückbleibt, hängt von Folie, Alter und Untergrund ab.

Nachgefragt: Was beim ersten Möbel oft schiefgeht

Woran scheitern die meisten bei ihrem ersten Möbel?

An der Planung, nicht am Kleben. Wer die Teile nicht vorher auf die Bahnbreite legt, merkt mitten im Projekt, dass die Folie nicht reicht, oder dass die Holzmaserung auf der letzten Tür quer läuft. Ein Blatt Papier und ein Zollstock vor der Bestellung sparen da viel Ärger.

Und wenn die Kommode schon einmal foliert wurde?

Dann kommt es darauf an, wie die alte Folie aussieht. Sitzt sie überall fest und ist glatt, kann die neue darauf, mit Primer. Hebt sie sich an den Kanten schon ab, muss sie zuerst herunter, sonst nimmt sie die neue Folie mit.

Welches Werkzeug sollte bereitliegen?

Ein Rakel, ein scharfes Cuttermesser mit Ersatzklingen, ein Zollstock, ein sauberes Tuch und ein Föhn für die Kanten. Dazu Primer und Reiniger. Mehr braucht es für eine Kommode nicht.

Wie lange sollte der Primer trocknen, bevor die Folie draufkommt?

Bis er sich nicht mehr klebrig anfühlt. Wie lange das dauert, steht auf dem Gebinde des Primers.

Ob Holz, Stein oder Uni: Alle Dekore kommen als Meterware in 1,22 m Breite. Das Werkzeug für die Montage liegt im Shop gleich daneben:

Interview-Fazit: erst planen, dann kleben

Wer die Menge vorher auf die Bahnbreite plant, den Untergrund prüft und grundiert und erst die Fläche, dann die Kante klebt, hat auch beim ersten Möbel gute Chancen auf ein sauberes Ergebnis.

Quelle – Lüften nach Kleben und Streichen

Diese Quelle belegt den Hinweis, nach dem Verkleben gut zu lüften.

1. Umweltbundesamt, 14.09.2016

Publikation: Raum für Raum renovieren

Belegte Aussage: Das sollte man mindestens so lange machen, bis zum Beispiel Klebstoffe und Farben richtig getrocknet sind (i.d.R. einige Tage) oder bis man keinen auffälligen Geruch mehr wahrnimmt

Quelle: https://www.umweltbundesamt.de/themen/raum-fuer-raum-renovieren

Das Umweltbundesamt rät, nach Arbeiten mit Klebstoffen und Farben zu lüften, bis sie getrocknet sind oder kein auffälliger Geruch mehr wahrnehmbar ist.